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Die Stadtwerke Karlsruhe stellen sich vor ...

25.05.2021

Die Stadtwerke Karlsruhe sind im Verbund MethGrid die Schnittstelle zu den Nutzern im Industriequartier Rheinhafen Karlsruhe.

Guten Tag Frau Stolle! Skizzieren Sie doch bitte kurz die Rolle der Stadtwerke Karlsruhe.

Innerhalb von MethGrid übernehmen wir die Anwenderperspektive, denn wir haben den Zugang zum Rheinhafenquartier aus betrieblicher Sicht. Dadurch, dass unser Netzservice die Netze dort betreibt, haben wir viele technische Daten. So haben wir Gasnetze, Stromnetze und Fernwärmenetze aufgenommen und haben analysiert, was sich dort umstellen lässt, auch unter wirtschaftlichen Aspekten.

Wir übernehmen außerdem die Analysen der Anlieger und der Bedarfe. Dazu haben wir Interviews geführt und gefragt: „Wie stellen sich die einzelnen Anlieger in Industriegebieten die Zukunft der Energiewelt vor? Welche Wünsche haben sie da? Was werden sie auf jeden Fall nicht umsetzen, weil es für sie keinen Sinn ergibt?“ Gleichzeitig haben wir auch darauf geschaut, was Hemmnisse sein könnten. Und zwar nicht nur im rechtlichen Rahmen, sondern auch wenn es um gesellschaftliche Akzeptanz und um die tatsächliche Umsetzung mit den Anliegern geht.

In welche Richtung geht das bei den Nutzern? Haben die einen Antrieb, grüner zu werden?

Wenn man jemanden persönlich fragt, dann auf jeden Fall, aber dann gibt es noch die unternehmerische Sicht. Zwei Aspekte sind da für die Nutzer am allerwichtigsten: Einmal die Zuverlässigkeit, denn die Energieversorgung muss immer gewährleistet sein. Die Nutzer können sich keine Ausfälle leisten, weil irgendeine Anlage nicht funktioniert. Und das Zweite ist: Die Neuerung muss zumindest nach einer gewissen Zeit wirtschaftlich darstellbar sein. Es darf einfach nicht mehr kosten als zuvor.

Sind die Fragen an die Nutzer also vor allem qualitativer Natur? Oder erfassen Sie auch quantitative Daten?

Es gibt durchaus einen quantitativen Aspekt: Aus den Befragungen bekommen wir die Energieverbräuche und die Lasten, zum Beispiel im Strom- und im Gasnetz. Wir haben alle nötigen Daten geliefert, die Netze betreffen, zum Beispiel aggregierte Daten zu den Komplettverbräuchen im Gas- und Stromnetz. Diese Daten werten wir teilweise selbst aus und bereiten sie für die Verwendung in den Simulationen der Partner auf.

In MethGrid geht es um die Frage „Wie kann Sektorenkopplung auf lokalem Raum praktisch umgesetzt werden?“ Gibt es etwas Besonderes bei den Stadtwerken Karlsruhe?

Grundsätzlich sind wir ein Stadtwerk, das anderen Stadtwerke ähnlich ist: Wir haben einen Versorgungsauftrag für Strom, Gas, Wasser und Wärme. Aber es gibt besondere Aspekte, weil wir den Rheinhafen Karlsruhe in unserem Versorgungsgebiet haben. Den Hafen kann man als eine schöne kleine Modellregion verwenden. Wobei die Ergebnisse dann auch gut übertragbar sind auf andere Standorte, denn bei anderen Binnenhäfen hat man eine ähnliche Struktur: relativ viel Logistik, ein bisschen Produktion und häufig auch Erzeuger von erneuerbaren Energien.

Was erhoffen sich die Stadtwerke Karlsruhe von dem Projekt?

Wir wollen auf jeden Fall viele Erkenntnisse über zukünftige Energiesysteme bekommen und auf diese Weise unsere Richtungsentscheidungen bei Technologien unterstützen. Wir haben nun mal das Problem, das wir Entscheidungen unter Unsicherheitsaspekten treffen müssen. Im Tagesgeschäft ist häufig nicht viel Raum, um Szenarien zu konzipieren. So erhoffen wir uns, dass wir mehr valide Richtungsentscheidungen treffen können auf Basis der Forschungserkenntnisse. Und gleichzeitig wollen wir natürlich auch Impulse geben in Richtung Forschung. Zum Beispiel weisen wir auf Hemmnisse hin wie Netze, die teilweise 30 oder 40 Jahre alt sind. Die können nur sukzessive umgestellt werden, was wichtig ist für die Szenarien und Modelle der Forschenden. Es ist dann auf jeden Fall leichter für uns, strategische Entscheidungen zu treffen – und das ist dann schon mal ein wichtiger Erfolg.

Die Stadtwerke Karlsruhe sind also nicht nur eine Einrichtung, die sich darauf ausruht, Energieversorger zu sein?

Wir sehen Weichenstellungen auf uns zukommen und wollen da die Richtung mit beeinflussen. Dazu gehört auch, dass wir Anregungen geben, Hindernisse benennen und Lösungsvorschläge zur Umsetzung der Energiewende erarbeiten.

Porträt Katrin Stolle

Katrin Stolle, Projektleiterin MethGrid bei den Stadtwerken Karlsruhe

Gesamtkoordination:

MTU Friedrichshafen GmbH
Maybachplatz 1
88045 Friedrichshafen

 

DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut
des Karlsruher Instituts für Technologie

Engler-Bunte-Ring 1 – 9
76131 Karlsruhe